Vita

Werner Schubert (*1921); seit 1972 Werner Schubert-Deister. Signaturen: "Sch" "w.schubert" "w.schubert-deister" "trebuhs deister schubert" mehr sehen

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Erfurt - Andreasstraße. "Auskünfte"

Zelle 145 – die kühle Bezeichnung eines Raumes, in dem sich der Name Werner Schubert-Deister liest. Seine Zellennachbarn: ebenfalls Künstler, sieben an der Zahl.

Wohl alle der ausgestellten Künstler und Leihgeber haben sich im Vorfeld der Ausstellung in der Andreasstraße die Frage gestellt, was für Werke sie an den kalten Wänden des einstigen Stasigefängnisses zeigen wollen. OB sie in dieser unwirklichen Umgebung etwas zeigen wollen. Die Initiative des Vereins Freiheit e.V. half bei der Beantwortung des Obs.

Erklärungen oder gar Trost für den Inbegriff staatlicher Willkür und Gewalt wird in der Gemeinschaftsausstellung kaum jemand finden können. Die Empfindungen sind so individuell wie die Kunst selbst. Der Schutz der persönlichen Identität unter dem Diktat des sozialistischen Realismus war für die meisten ein Kraft- und Leidensakt, den einige DDR-Künstler auf sich genommen haben.

Neben vier Grafiken und zweier farbiger Malereien ragt in Zelle 145 eine zwei Meter hohe Skulptur hervor, die man fragen möchte, was ihr widerfahren ist, ohne es so recht wissen zu wollen. Sie trägt den Namen Heiliger Sebastian unserer Zeit. Mein Vater wollte Ende der 60er Jahre mit dieser Skulptur ein „Denkmal für alle Geschundenen und Leidenden“ setzen.

Ein Denkmal ist heute auch das Stasigefängnis – beides aber hat eine wichtige Aussage, die bis heute nicht an Bedeutung verloren hat. Eine Aussage, die es hinter ihren Fassaden zu entdecken gilt.


Jonas Schubert-Deister, 29.06.2009